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Flo als Ironman

Die Zieleinlauf auf dem Teppich ist nur 100 Meter lang. Das Zielgefühl reicht für ein ganzes Leben...

Es ist schwer in Worte zu fassen, was einem IRONMAN  Frischling auf seiner ersten Triathlon-Langdistanz durch den Kopf geht wenn man mehr als 11 Stunden unterwegs ist. Aber ich versuch's mal.

Schwimmstart am Sonntagmorgen, 6.30 Uhr am Jungfernstieg der Binnenalster. Herzklopfen, dass man wahrscheinlich durch den Neopren Anzug sehen kann. Erst gehen die Profi-Männer ins Wasser, zwei Minuten später die Profi-Frauen und dann im Sekundentakt wir, die "Altersklassen-Athleten". Ich kraule zaghaft drauflos. Will ja nicht mein ganzes Pulver schon am Anfang verschiessen. Nach einer 1:11 bin ich wieder draussen. Keuchend, wasserspuckend und mit gemischten Gefühlen. Das Schwimmen lief unter meinen Erwartungen. Hatte 1:05 angepeilt. Aber egal. Ab in die längste Wechselzone der Welt. Neopren runter, Helm auf, Schuhe an. Rad Richtung Start schieben. Ab jetzt Dauerfeuer! Die Rennstrecke recht anspruchsvoll weil kurvig im Hafen und windig entlang der Deiche. Zudem XL weil 183km anstatt 180. Das klingt im ersten Moment lächerlich. Aber glaubt mir: wenn man über fünfeinhalb Stunden auf diesem Boliden sitzt, ist jeder Kilometer WENIGER Gold wert!    

Kurz vor der Wende von Runde 1 kassiere ich eine fünfminütige Zeitstrafe wegen Windschatten Fahrens. Was in dem Moment überflüssig war. Es ging leicht bergauf, wir hatten 50kmh Böen von der Seite, keiner war in der Aero Position. Abstand geschätzte 10 Meter. Trotzdem hat er mich runter gepfiffen. Was soll's. Abhaken und weiter machen.    

Dann der Marathon bei 30 Grad schwüler Hitze durch die Hamburger City. Nicht daran denken, was man noch vor sich hat! Das wäre fatal. Einfach laufen, laufen, laufen. Bei den Versorgungsstationen kurz anhalten. Wasser ins Gesicht, Eiswürfel in den Anzug und getränkte Schwämme auf die Schultern.  

Bei Kilometer 18 kommen die Magenkrämpfe, kurz danach massiver Druck ein Stockwerk tiefer. Ich habe ehrlich gesagt damit gerechnet, die Belastung bei einem Ironman ist so enorm, dass der Körper dubioseste Kapriolen macht. Womit ich NICHT gerechnet habe, ist der Zustand der Dixi Klos an der Rennstrecke. Ich erspare euch die Details.

Danach läuft's! Vorerst... Es folgen die härtesten zwei Stunden meines Lebens. Im Minutentakt kommen Hoch's und Tief's. Meine Beine sind schwer wie Blei. Mein Kopf begibt sich an dunkle, an SEHR dunkle Orte.

Aber dann ist da wieder Hamburg. Treibende Techno Beats am Gänsemarkt. Zehntausende, die dich nach vorne schreien, dir auf die Schultern klopfen, dir Mut machen. All die IRONMAN Germany Helfer an der Strecke, die dir keine Sekunde das Gefühl geben, dass du alleine auf deiner Reise bist. Und wenn du kurz davor bist hin zu schmeißen, reißen  plötzlich deine Leute das "Go Flo Go" Banner hoch. Nehmen dich in den Arm. Sprechen dir Mut zu. Danke Caroline, danke Gerhard, Renate, Caro, Petra, Klaus und Torge, dass ihr immer im richtigen Moment da wart...                         

Und dann bist du plötzlich auf der letzen Runde, auf dem letzten Kilometer, siehst den Ziel-Tunnel, hörst die Menschen, den Moderator, der ruft "FLORIAN, YOU ARE AN IRONMAN". Die Beine werden plötzlich leicht (keine Ahnung, wie DAS geht), du fliegst im Vollsprint Richtung Ziellinie, ein Milliarde Schmetterlinge im Bauch, Wasser in den Augen, stolperst deinen Freunden in die Arme und bist so sehr bei dir, wie du es vielleicht noch nie warst.

Ich verstehe heute, warum Menschen diesen Wahnsinn auf sich nehmen: weil es dich zu einem Gewinner macht, selbst wenn du nicht als erster durch's Ziel kommst. Weil dir nichts geschenkt wird. Weil jeder Meter, jede Sekunde hart erarbeitet wurde. Und weil du deinem inneren Schweinehund gezeigt hast, wo der Hammer hängt.    

Es war ein Wahnsinns-Ritt. Und sicher nicht mein letzter.          

Danke Hamburg. Danke IRONMAN.

#swimbikerun #triathlon #langdistanz

 

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